

Ein neues Logo löst selten das Problem, das ein Unternehmen eigentlich hat. Trotzdem ist es meistens das Erste, was infrage gestellt wird, wenn sich eine Marke veraltet oder beliebig anfühlt. Die Website wird auf Zack gebracht, ein modernerer Schriftzug entworfen, vielleicht noch eine neue Farbe – und ein paar Monate später fühlt sich wieder alles gleich an, nur mit anderem Absender.
Das liegt selten am Logo selbst. Es liegt daran, dass ein Logo nur sichtbar macht, was eine Marke ist – es kann nicht ersetzen, was eine Marke noch nicht entschieden hat.
Ein Logo ist ein Wiedererkennungszeichen. Es sorgt dafür, dass ein Unternehmen in einer Sekunde identifizierbar ist, auf einem Flyer, einer Website, einer Rechnung. Was es nicht leisten kann: erklären, wofür ein Unternehmen steht, wen es ansprechen will und warum jemand sich für dieses Unternehmen statt für den nächstbesten Wettbewerber entscheiden sollte. Das ist die Aufgabe der Markenstrategie – und ein Logo kann diese Aufgabe nicht rückwirkend übernehmen, egal wie gut es gestaltet ist.
Genau deshalb verpufft ein Rebranding so oft: Es wird an der Oberfläche gearbeitet, während die eigentliche Frage unbeantwortet bleibt.
Wenn diese Frage im Unternehmen nicht klar beantwortet werden kann – nicht als Werbespruch, sondern als konkrete Positionierung –, wird auch das schönste Logo nichts daran ändern, dass sich Kommunikation beliebig anfühlt. Eine Position beantwortet drei Dinge: Für wen ist das Angebot gemacht, welches Problem löst es besser oder anders als Alternativen, und was ist die Haltung dahinter, die sich in jeder Kommunikation wiederfindet.
Fehlt diese Antwort, entsteht ein Muster, das sich in vielen Unternehmen wiederholt.
Keines dieser Symptome lässt sich mit einer neuen Schriftart lösen.
Ein neues Logo ist greifbar, planbar und in ein paar Wochen erledigt. Eine Positionierung zu klären ist unbequemer: Sie zwingt ein Unternehmen, sich festzulegen – und damit auch, auf manche Zielgruppen oder Botschaften bewusst zu verzichten. Genau dieser Verzicht wird oft vermieden, weil er sich nach Risiko anfühlt. Das Ergebnis ist ein Logo, das zwar moderner aussieht, aber weiterhin für „irgendwie alle“ sprechen soll – und deshalb am Ende wieder für niemanden besonders klar.
Die Reihenfolge, die tatsächlich funktioniert, ist fast immer umgekehrt zu der, die Unternehmen intuitiv wählen:
Erst wenn diese Reihenfolge eingehalten wird, hat ein neues Logo überhaupt die Chance, etwas zu verändern – weil es dann Ausdruck einer Entscheidung ist, nicht ihr Ersatz.
Das heißt nicht, dass ein Rebranding nie sinnvoll ist. Wenn die Positionierung steht, ein Logo aber technisch veraltet, schlecht skalierbar oder identisch mit dem eines anderen Unternehmens im gleichen Markt ist, ist die Erneuerung folgerichtig – dann als letzter Schritt einer Markenarbeit, nicht als erster und einziger.
Was in eine solche Markenarbeit gehört, haben wir in unserem Grundlagenartikel Was ist Branding? beschrieben. Wenn die Frage weniger „ob“ als „wann“ lautet, lohnt sich außerdem ein Blick in unseren Beitrag Rebranding oder Markenaufbau. Und für alle, die bereits wissen, dass ein neues Corporate Design ansteht, haben wir die Kostenfaktoren dafür zusammengefasst.
Wenn du selbst gerade an genau diesem Punkt feststeckst – neues Design im Kopf, aber unklar, wofür die Marke eigentlich steht –, können wir uns das gemeinsam ansehen, bevor die nächste Gestaltungsrunde beginnt.