

Das schnellste Mittel gegen mittelmäßiges Marketing ist nicht mehr Feedback. Oft ist es weniger. Wer jeden Entwurf durch sechs Abteilungen schickt, bekommt am Ende keinen besseren Text und kein besseres Design, sondern den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Das Muster ist in vielen Unternehmen gleich. Ein Entwurf geht an die Geschäftsführung, den Vertrieb, die Fachabteilung und manchmal an die Rechtsabteilung. Jeder gibt Rückmeldung aus seiner Perspektive. Der Vertrieb will mehr Produktdetails, die Geschäftsführung kürzere Texte, die Fachabteilung präzisere Begriffe. Alle Wünsche sind für sich nachvollziehbar. Zusammen ergeben sie etwas, das niemandem missfällt und deshalb auch niemanden anspricht.
Dazu kommt ein Zeitproblem: Jede zusätzliche Runde kostet nicht nur Tage, sondern auch Substanz. Die ursprüngliche Idee wird mit jeder Version weiter abgeschliffen, bis niemand mehr weiß, was sie ursprünglich sollte.
Teile jedes Projekt in Phasen: Briefing, Konzept, Entwurf, Feinschliff. Rückmeldungen zu Zielgruppe und Botschaft gehören in die ersten beiden Phasen, nicht in die letzte. Was einmal freigegeben ist, wird in der nächsten Phase nicht neu verhandelt.
Zwei Korrekturrunden reichen für die meisten Projekte, wenn das Briefing stimmt. Bitte Reviewer, ihre Anmerkungen an einer Frage auszurichten: Hilft das Ergebnis dabei, das im Briefing genannte Ziel zu erreichen? Alles andere ist Geschmack.
Ein Dokument, eine Frist, eine Person, die die Rückmeldungen sortiert und Widersprüche vorab auflöst. Das spart der Agentur oder dem internen Team Stunden.
In regulierten Branchen oder bei sicherheitsrelevanten Aussagen sind mehrere Prüfstufen Pflicht. Auch dort hilft es, Prüffragen klar zu trennen: Was ist inhaltlich oder rechtlich zwingend, was ist Präferenz? Nur das Erste darf ein Projekt anhalten.
Viele Freigabeprobleme sind in Wahrheit Briefing-Probleme. Wer vorher nicht festlegt, wen er erreichen will und woran er Erfolg misst, diskutiert hinterher über Geschmack, wie wir es in Das eigentliche Problem bei Vereins- und Firmenmerch am Beispiel Merchandising beschrieben haben. Fehlt zusätzlich ein Markenrahmen, entscheidet jeder Reviewer nach eigenem Gefühl. Ein Brand Guide nimmt viele dieser Diskussionen vorweg, mehr dazu in Was gehört in einen Brand Guide?
Je mehr Beteiligte und Dienstleister an einer Kampagne hängen, desto länger werden die Schleifen. Wenn Strategie, Design und Content aus einem Team kommen, entfällt ein großer Teil der Übersetzungsarbeit. Genau darum geht es in Ein Team, ein System.
Wenn bei euch Projekte regelmäßig in Abstimmungsrunden stecken bleiben, können wir uns den Ablauf gemeinsam ansehen: Kontakt.